Turbulentes Wochenende für Benjamin Mazatis auf dem Sachsenring

Regen, Reifenschäden, Rot-Phasen und Rennabbruch: Der Sachsenring hielt für Benjamin Mazatis am sechsten Rennwochenende der ADAC Formel 4 viele Herausforderungen bereit. Ohne einen einzigen Testkilometer mit seinem aktuellen Boliden auf der Strecke, meisterte der kfzteile24 Mücke Motorsport-Rookie den schwierigsten Kurs im Rennkalender.

Zwischen dem letzten Rennwochenende und dem Sachsenring ging es bei dir stressig zu. Was stand auf dem Programm?

Ich war nach dem Nürburgring bei der McLaren Performance Academy, zu dessen Förderkader ich seit zwei Jahren gehöre. Ich habe über meine Rennen berichtet und konnte diesmal auch viel Positives erzählen. In den Workshops haben wir viel über Mentaltraining gesprochen. Ein sehr wichtiges Thema, denn der Unterschied beginnt im Kopf. Auch Fitness war ein großer Baustein. Ich habe neue Übungen kennengelernt und gleichzeitig erfahren, wie ich einige meiner bereits bekannten noch anspruchsvoller gestalten kann, um kleinere Muskelgruppen anzusprechen. Ein Highlight war der Formel-1-Simulator, den wir uns ansehen konnten. Er simuliert G-Kräfte und alles ist in 3D – eine andere Welt im Vergleich zu den Simulatoren, die wir sonst kennen.

Dein neu erworbenes Wissen konntest du im Sachsenring-Qualifying gleich einsetzen. Wie schwierig war es, durch die zahlreichen Unterbrechungen zwei gute Runden zu erzielen?

Enorm schwierig! Ich fuhr am Anfang nur drei fliegende Runden, um meine Reifen aufzuwärmen, mir eine Lücke zu verschaffen und die Sicht in der starken Gischt zu verbessern. Die dritte war die schnellste und bei der folgenden hatte ich schon fast eine Sekunde Vorsprung zur vorherigen – und dann kam Rot. Ich ließ mich nicht verrückt machen, schließlich war noch genug Zeit auf der Uhr. Kurz vor dem Ende meiner nächsten schnellen Runde kam aber die nächste Unterbrechung – also wieder nichts. Als die Boxenampel schließlich nach einer weiteren Rot-Phase endlich auf grün schaltete, blieben nur noch zwei Minuten. Ich wurde etwas aufgehalten und hatte alle Mühe, noch rechtzeitig über die Linie zu kommen. Die Reifen waren kalt, aber es hieß volle Attacke. Leider landete ich kurz im Kiesbett. Ich konnte zwar weiterfahren, die Runde war aber im Eimer. Damit blieb für beide Rennen nur Startplatz 30.

Im Gegensatz dazu ging das erste Rennen richtig vielversprechend los. Wieso klappte es nicht mit einem guten Ergebnis?

Ich hatte einen Granatenstart! Schon nach einer Kurve war ich an sieben Autos vorbei und in der zweiten Runde 21. Es wäre sogar noch etwas mehr drin gewesen, aber ich wollte kein unnötiges Risiko eingehen. Schließlich war ich zuvor nie im Trockenen mit einem Formel-4-Auto auf der Strecke gefahren. Kurze Zeit später war alles wieder vorbei, weil mir ein Konkurrent den Reifen beschädigt hatte. Ich konnte das Auto grade noch abfangen und musste an die Box zum Reifenwechsel. Mit einer Runde Rückstand wieder zurück, ging es nur noch darum, die Strecke besser kennenzulernen. Meine Zeiten waren nicht schlecht – ich lag rund acht Zehntel hinter den Podiums-Piloten.

Während des zweiten Rennens musstet ihr lange Zeit in der Startaufstellung warten. Wie wichtig sind in solchen Momenten die körperliche Fitness und die Konzentrationsfähigkeit?

Als das Rennen unterbrochen war und wir bei 27 Grad Außentemperatur in unseren Autos saßen, kam mir die Zeit ewig vor. Die körperliche Fitness spielt in diesen Momenten natürlich eine wichtige Rolle. Viel mehr aber die richtige Taktik. Ich habe mich entspannt, mich über Funk mit meinem Mechaniker unterhalten genau im richtigen Moment wieder auf volle Konzentration umgestellt. Sobald der Re-Start erfolgte, hatte ich einige Zweikämpfe und habe ein paar schöne Stellen zum Überholen gefunden. Platz 20 im Rennen war sicher nicht mein Ziel, nach der langen Wartezeit und durch die schwierige Startposition aber ein gutes Ergebnis.

Wie fällt dein Gesamtfazit des Wochenendes aus?

Nach einem weiteren Reifenschaden im dritten Rennen kann man sagen: das war wohl nix. Ich kam schon am Start nicht richtig los, arbeitete mich aber wieder ein gutes Stück nach vorne. Als ich zwei Runden vor Ende den platten Reifen bemerkte, war es zu spät, um nochmals an die Box zum Wechsel abzubiegen. Ich musste die zuvor gewonnenen Positionen wieder hergeben und habe einfach versucht, das Auto ins Ziel zu bringen.

Bereits in zwei Wochen wartet ein besonderes Highlight. Die ADAC Formel 4 startet im Rahmen der DTM in Oschersleben. Eine Strecke, die du bereits vom Saisonauftakt kennst.

Ich freue mich schon extrem auf das Wochenende. Ich bin in Oschersleben immer gut zurechtgekommen und begeistert, dass wir dort zwei Mal in der Saison fahren. Als Rookie war am ersten Rennwochenende noch alles Neuland für mich. Nun komme ich mit mehr Erfahrung und hochmotiviert zurück und denke, dass einiges drin sein wird. Dass dazu noch die DTM in Oschersleben fährt, macht es besonders spannend. Es werden sicherlich viele Fans vor Ort sein, die auch uns anfeuern. Ich kann es kaum erwarten, dort zu fahren.